Die Western Shoshone in Nevada

Chief Raymond Yowell hat sich entschlossen, die Western Shoshone bei zukünftigen Vertrags- und Landverhandlungen bei Gericht selbst zu vertreten. Die Nebenklage bei der Prozeßsache Nye County – USA (Landnutzung im Atomtestgebiet als „öffentliches Land“) hat ihm deutlich gezeigt wie wichtig es ist, daß die Western Shoshone ihre Interessen selbst vertreten.

Was war geschehen? Neben den in den letzten Jahrzehnten durchgeführten Atomtest des Department of Energy (DoE ) spielt der großflächige Goldabbau der letzten Jahre bei der Zerstörung des Landes der Western Shoshone eine ebenso verheerende Rolle.

Das Land der Western SchoshoneDie chemische Laugung mit Zyanid hat den Abbau schwach goldhaltigen Erzes profitabel gemacht. Seitdem hat das Geschäft mit dem Goldstaub zahlreiche Firmen wie Placer Dome angezogen, in Crescent Valley – im Herzen des Western Shoshone Landes – immer neue Minen entstehen zu lassen.

Um die Gruben, die unter dem Grundwasserspiegel liegen, trocken zu halten, werden tausende Liter Wasser in der Minute abgepumpt. Bei der Laugung, die das Gold vom Gestein trennt, werden große Mengen Zyanid eingesetzt, das zu den am schnellsten wirkenden Giften gehört. Ein großtes Risiko für das Flußsystem des Humboldt-River, in den sich die zyanidhaltigen Flüssigabfälle bei einem Leck in den Rückhaltebecken ergießen könnten.

Dampf steigt aus einer heißen Quelle in Duckwater auf. Von hier fließt ein Bach in das Dorf der ReservationDas von den Minengesellschaften geraubte Grundwasser soll laut Umweltschutzrichtlinien dem Gebiet wieder als Grundwasser zugeführt werden. Eigens dazu angelegte Sickergruben bringen aber nicht den gewünschten Erfolg. Das Wasser versickert nicht wie erhofft, denn die unteren lehmigen Erdschichten leiten das Wasser nicht weiter. Es kommt an ungewüschten Stellen wieder an die Erdoberfläche. Das heiße Klima in der Halbwüste Nevadas läßt dann mehr Wasser verdunsten als wiederholt versickern kann. Als Grundwasserreserve für die nächsten Generationen steht das abgepumpte Wasser der Minengesellschaften damit nur noch zu einem Bruchteil zur Verfügung. Die ökologische Katastrophe ist vorprogrammiert und hat bereits Auswirkungen für die dort lebenden Western Shoshone.

Und die leben auf „öffentlichem Land“ und „nutzten es illegal“ als Weideland für ihr Vieh – möchte man den Verlautbarungen des Bureaus of Landmanagement (BLM ) glauben. Den Familien wird mit Viehkonfiszierung und Strafgeldern gedroht. Besonders die Familie von Mary und Carry Dann wird vom BLM wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für die Vertrags- und Landrechte der Western Shoshone unter Druck gesetzt und in immer neue Verfahren verwickelt. Das Western Shoshone National Council hat den Landrechtsprozeß, den die Dann‘s vor Jahren begannen, zum Landrechtsprozeß der Western Shoshone Nation gemacht. Sie fordern die Einhaltung der Landrechte, die ihnen von der US-Regierung 1863 im Vertrag von Ruby Valley zugesichert wurden. Trotz Entschädigungsverfahren der Indian Claims Commission (ICC ) haben die Western Shoshone das Ihnen zugesprochene Entschädigungsgeld für „allmählich besiedeltes Land durch Einwanderer“ nicht akzeptiert, da Ihnen damit jegliche Rechte aus dem Vertrag von Ruby Valley - speziell zur Landnutzung - verloren gingen.

Shoshone-Frauen Um sich gegen die weitere Zerstörung ihres Landes zu wehren, gründete vor einigen Jahren der Shoshone William Rosse das Western Shoshone Defense Projekt (WSDP). Das Camp befindet sich auf der Dann-Ranch in Crescent Valley. Das WSDP macht Analysen der Umweltstudien zur Auswirkung der Zerstörungen, sammelt Daten, bringt Einsprüche vor und berichtet in einem Newsletter über die neuen Entwicklungen.

Um auch internationale Unterstützung zu erhalten, hat das Indian Law Resource Center (ILRC) den Fall der Familie Dann stellvertretend für die Western Shoshone Nation vor die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Menschenrechtskommission der UNO gebracht. Seitdem ist das BLM gehalten, keine Gelder für „widerrechtliche Nutzung“ des angeblich „öffentlichen Landes“ einzutreiben, bis ein Entscheid zu der Angelegenheit vorliegt.

Und wie der für die Western Shoshone Nation aussehen wird, bleibt abzuwarten.