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Eine Idylle in GefahrFast unberührte Wälder, durchzogen von kristallklaren Flüssen und Seen, prägen den Norden des Bundesstaates Wisconsin. Seit Jahrhunderten ist dies die Heimat algonkinsprechender Waldlandindianer. Auch heute noch leben Chippewa, Potawatomi und Menominee in Reservationen in ihrer angestammten Heimat. Andere Stämme, wie die Oneida, Stockbridge und Munsee, wanderten später in dieses Gebiet ein. Die Jagd, der Fischfang und vor allem die Ernte von Wildreis bildeten die Wirtschaftsgrundlage der hier ansässigen Indianer und bilden sie zum Teil noch heute. Doch diese Idylle ist in Gefahr. 1975 entdeckte Exxon in der Nähe der Mole Lake Reservation bei Crandon die größten Zink-Kupfer-Vorkommen der Welt. Die Mine könnte 20-25 Jahre lang Erz produzieren.Nachdem Exxon 10 Jahre lang schärfster lokaler Widerstand entgegenschlug, zog sich die Firma 1986 zurück, kehrte aber 1994 mit der Firma Rio Algom (Crandon Mining Company CMC) als Partner zurück. In der Crandon Mine, die ein Gebiet von 350 Hektar umfassen würde, lagern neben Zink und Kupfer auch noch giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Blei, Arsen und Cadmium. Auch wurden Spuren von Uranium gefunden. Das Zink und das Kupfer liegen in Sulfidform vor; bei Kontakt mit Luft und Wasser kommt es zur Bildung von Schwefelsäuren. Die Crandon Mine liegt im Quellgebiet des Wolf River, einem Feuchtgebiet mit einer großen jährlichen Niederschlagsmenge. Selbst die EXXON-Verantwortlichen mußten zugeben, daß es keinen ungünstigeren Platz für eine Mine gibt. Doch damit nicht genug der Probleme. Während ihrer Betriebsdauer würde die Mine zirka 44 Millionen Tonnen Abfälle produzieren. Die Hälfte des Abfalls bestünde aus feinen Erzabfällen, die in eine Deponie von 150 Hektar Größe und 30 Meter Tiefe gepumpt würden. Die Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) gibt zu, daß solche Deponien nur sehr locker überwacht werden können und daß selbst bei den besten Deponien Lecks unvermeidlich seien. Auch der US Forest Service erklärte, daß es keine sicheren Technologien gibt, um das Austreten von Säuren zu verhindern. Diese Deponie müßte für lange Zeit (bis zu 9.000 Jahre) von der Umwelt isoliert werden, doch die CMC hat die Überwachung für nur 40 Jahre geplant. Das Betreiben der Mine würde außerdem das ständige Abpumpen eindringenden Grundwassers erforderlich machen (12.000 l pro Minute), was drastische Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel der Umgebung hätte. Da es zwischen Grund- und Oberflächenwasser enge Verbindungen gibt, wären natürlich auch Seen und Flüsse vom sinkenden Wasserspiegel betroffen. Ursprünglich plante CMC, das anfallende, unter Umständen verseuchte Abwasser, in den Wolf River zu pumpen. Dieser wurde jedoch im April 1995 in eine Liste der 20 bedrohtesten Flüsse der USA aufgenommen. Daraufhin entschied man sich, eine Pipeline zum Wisconsin River zu bauen und die Abwässer dahin abzuleiten. Da EXXON mit der Erschließung der Mine auf große Ablehnung stieß, versuchte der Konzern die einheimische Bevölkerung mit Arbeitsplätzen für seine Pläne zu ködern. Doch nur ein kleiner Teil der avisierten Arbeitsplätze kann von Einheimischen übernommen werden, denn zum Betreiben der Mine werden Fachleute gebraucht, die aus anderen Gegenden der USA zuwandern würden. Die geplante Mine liegt auf einem Territorium, das 1842 von den Chippewa an die Vereinigten Staaten verkauft wurde und direkt auf einem Gebiet, das den Mole Lake Chippewa 1855 versprochen wurde. Verträge garantierten den Chippewa die Möglichkeit der Reisernte, des Fischens und des Jagens, auch außerhalb der Reservation. Für fast 90% der heutigen Bewohner der Mole Lake Reservation ist die Ernte von Wildreis, das Fischen und Jagen noch immer die Haupterwerbsquelle. Der Wildreis hat jedoch nicht nur Bedeutung als Grundnahrungsmittel. Wie das Wisconsin Department of Natural Resources in einer Studie feststellte, hat der Wildreis zentrale Bedeutung für die kulturelle Identität der Chippewa. Er ist das Verbindungsglied zwischen ihnen, Mutter Erde, ihren Vorfahren sowie zukünftigen Generationen. Eine Verschmutzung der Umwelt durch Sulfide, Schwermetalle und PCBs oder die Absenkung des Grundwassers würden das Fischen, die Jagd und die Reisernte unmöglich bzw. zu einem gesundheitlichen Risiko machen. Im weiteren Verlauf würde dies zu tiefgreifenden sozialen Erschütterungen führen.Die benachbarten Nationen der Menominee, Potawatomi und Stockbridge-Munsee wären von der Verschmutzung und den daraus resultierenden Umwälzungen ebenso betroffen. Auch bei ihnen haben die oben genannten Erwerbsquellen noch eine große Bedeutung. Die Menominee, für die der Wolf River Herz und Seele ihres Landes ist, sind außerdem dabei, ihre Reservation touristisch zu erschließen. Eine der Hauptattraktionen stellt dabei der Wolf River dar. Wie die Indianer über die Zerstörung ihres Landes denken, demonstrierte der Mole Lake Tribal Council. Mit dem Zerreißen eines EXXON-Schecks zeigte er, daß ihm die Unversehrtheit des Landes wichtiger ist als das zu erwartende schmutzige Geld (der Scheck sollte EXXON Abbaurechte auf der Reservation zusichern). Weitere Informationen unter: |
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