Uran und kein Ende

Im März 1998 verkündete der Navajo-Präsident Thomas Atcitty stolz, dass die US-Regierung umgerechnet fast 17 Mrd. DM für die Sanierung noch offener Uranminen zur Verfügung stellt. Bis heute sind noch fast die Hälfte der über 1.000 Minen auf der Navajo-Reservation nicht abgedichtet und belasten weiterhin die Umwelt. Doch schon ist der Betrieb neuer Uranminen geplant.

Verlassene Uranmine in Arizona»Als Navajovolk leben wir noch immer im Alptraum der hinter uns liegenden Aktivitäten der Uranindustrie auf unserem Land. Wir wollen nicht, dass sich die Vergangenheit wiederholt«. Anna Frazier von Diné CARE (Citizens Against Ruining our Environment) weiss, wovon sie spricht. Seit Jahren bereits kämpft ihre Organisation gegen die Folgeschäden des Uranbooms der 60er und 70er Jahre an und setzt sich für die Opfer ein.

Im Dezember 1997 erhielt die Firma Hydro Resources Inc. (HRI) von der US-Atomregulierungsbehörde grünes Licht zum Bau von drei Uranminen und einer Uranverarbeitungsanlage in der Nähe der Navajo-Gemeinden Churchrock und Crownpoint im Bundesstaat New Mexico. In Crownpoint selbst ist zwar in der Vergangenheit noch kein Uran abgebaut worden, Churchrock jedoch hat mit früheren Aktivitäten der Uranindustrie schlechte Erfahrungen machen müssen: Im Jahre 1979 wurde das Grundwasser der Gemeinde durch einen Unfall kontaminiert, als rund 500 Mio. Liter radioaktive Flüssigkeit nach einem Dammbruch in den Rio Puerco strömten.

HRI will das Uran abbauen, in dem es mit Chemikalien angereichertes Wasser in die entsprechenden Gesteinsschichten injiziert. Die Chemikalien lösen das uranhaltige Gestein ab und anschliessend wird es dann an die Erdoberfläche gepumpt. In einer Spezialanlage wird dann das Uran vom übrigen Material getrennt. Die dafür ausgesuchten Gebiete dienen allerdings den umliegenden Navajo-Gemeinden als Trinkwasserreservoirs. HRI bestätigt zwar die Kontaminierung des Grundwassers während dieses Prozesses, beteuert aber im gleichen Atemzug, dass sie selbstverständlich das Trinkwasser wieder reinigen werden, wenn die Minen wieder geschlossen würden.

Billy Martin von der Organisation ENDAUM (Eastern Navajo Diné Against Uranium Mining) sieht das aber eher skeptisch: »Wie werden wir leben, wenn unser kostbares Wasser nicht mehr trinkbar ist?«. In der näheren Umgebung von Crownpoint gibt es fünf Brunnen, die rund 10.000 Menschen versorgen.

Aber auch die Atomregulierungsbehörde traut offensichtlich den Versprechungen von HRI nicht. Seitens der Behörde wurde deshalb angeregt, das gesamte Wasserversorgungssystem von Crownpoint auf Kosten der Firma neu installieren zu lassen. Auch neue Brunnen sollen gebohrt werden. Von einigen Experten wird allerdings angezweifelt, dass es in der Umgebung von Crownpoint überhaupt noch Wasserressourcen gibt, die nicht bereits durch frühere Uranaktivitäten kontaminiert sind. Aber selbst wenn HRI sich an die Vorgaben hält, wird das Grundwasser nicht wieder dieselbe Qualität haben wie vorher. Die Umweltverträglichkeitsstudie gestattet es der Firma, die bisherigen Werte für die gefährliche Substanz Radium 226 um das 65-fache (!) des jetzigen Wertes zu überschreiten.

Es ist jedoch nicht einmal sicher, ob das kontaminierte Grundwasser überhaupt wieder in einen brauchbaren Zustand versetzt werden kann. Bei einer Testmine der Firma Mobil Oil in der Nähe von Crownpoint war dies jedenfalls nicht möglich und auch HRI konnte dies unter Laborbedingungen nicht. Überhaupt ist es bei ähnlichen Anlagen bisher in den seltensten Fällen geglückt.

Die geplante Urangewinnung und die Verarbeitung des Materials soll in der unmittelbaren Umgebung der betroffenen Gemeinden erfolgen. Das bedeutet, dass radioaktives Material per LKW durch diese Ortschaften transportiert wird. Auch wird das Uran in unmittelbarer Nachbarschaft von bewohnten Grundstücken abgebaut. Ebenfalls in direkter Nachbarschaft der Aufbereitungsanlage liegen vier Schulen. Der Indian Health Service (Gesundheitsdienst) in Crownpoint gibt daher zu bedenken, dass die kleine Gemeinde weder personell noch materiell in der Lage wäre, bei einem eventuellen Unfall ausreichende Hilfe leisten zu können.

Das Hauptunternehmen von HRI, die Firma Uranium Resources Inc., hat mit solchen Vorfällen bereits eine Reihe von Erfahrungen machen müssen. Neben einigen Unfällen gehörte auch das illegale Lagern und der unerlaubte Transport radioaktiven Materials zu den »Schönheitsfehlern« des Unternehmens.

Zur Zeit ist ein Streit darüber entbrannt, wer vor Inbetriebnahme der Anlagen noch um Genehmigung gefragt werden muss. Obwohl die vorgesehenen Minen und auch die Verarbeitungsanlage ausserhalb der eigentlichen Navajo-Reservation liegen, gehört das betroffene Gebiet zur Eastern Agency of the Navajo Nation und wird auch hauptsächlich von Navajo bewohnt. Der Stammesrat der Navajo Nation geht daher davon aus, dass die Genehmigungen nur mit seinem Einverständnis erteilt werden können. Dies dürfte für die Betreiberfirma schwierig werden, da sich auf Grund der schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit der Stammesrat gegen weitere Uranabbauaktivitäten ausgesprochen hat. Zumindest die Umweltschutzbehörde hat 1997 bestimmt, dass das umstrittene Gebiet tatsächlich zum Hoheitsgebiet der Navajo gehört.

Ebenfalls eine positive Entscheidung für die Betroffenen hat die U.S. Atom-Regulierungs-Kommission gefällt. Danach hat sie den beiden Umweltschutzgruppen Eastern Navajo Diné Against Uranium Mining und dem South West Research and Information Center ein Klagerecht eingeräumt. Ebenfalls klageberechtigt sind zwei Navajofrauen aus den bedrohnten Gemeinden.

Es dürfte daher für HRI zumindest in naher Zukunft kaum eine Aussicht bestehen, mit dem Bau der vorgesehenen Anlagen beginnen zu können.